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Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen
 
Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich die Aktivität des Immunsystems gegen den eigenen Körper. Typisch ist hierbei das Auftreten von so genannten Autoantikörpern. Im Gegensatz zu Antikörpern, die sich gegen eingedrungene infektiöse Erreger richten, zielen Autoantikörper auf Körperzellen und können deren Funktion stören.
Man unterscheidet zwischen Erkrankungen, die nur ein Organ betreffen, und Erkrankungen, die sich auf mehrere Organe und das Gefäßsystem erstrecken (systemische Auto­immunerkrankungen).
Autoimmunerkrankungen können einen akuten oder einen chroni­schen Verlauf nehmen.
Bei akuten Erkrankungen sind ein plötzlicher Anstieg der Autoantikörperkonzentration und eine unkon­trol­­lierte Entzün­dungs­aktivität für die auftretenden Symptome verantwortlich. Akute Auto­immun­erkran­kungen beschränken sich auf ein Organ (z. B. Blut und Blutgefäßsystem, peri­pheres Nerven­system).
Chronische Autoimmunerkrankungen sind durch anhaltende Störungen des Immunsystems gekenn­zeichnet. Sie können ein einzelnes oder mehrere Organe gleichzeitig betreffen. Typisch ist die Bildung von gegen den eigenen Körper gerichteten T- und B-Zell­klonen (Ansammlung gleich­­artiger Zellen). Diese Zellklone binden dann nahezu ausschließlich Auto­antigene und Auto­antikörper und fallen somit auch noch für die Immun­abwehr von Fremderregern aus.
 
Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen

Ziel der Behandlung von Autoimmunerkrankungen ist die schnelle Verringerung der uner­wünschten Entzündungsaktivität. Ferner soll die Neubildung von Autoantikörpern verhindert werden. Man erreicht dies über die Beeinflussung der Zellaktivität.
Zur Verfügung stehen Medikamente, womit die Aktivität des Immunsystems gehemmt wird (= Immunsuppressiva wie  z.B. Kortikosteroide und Zytostatika) oder sich verändern lässt (= Immunmodulatoren wie z.B. intravenöse Immunglobuline) sowie Blutaustauschverfahren (Plasma­pherese, Immun­ad­sorp­tion).
Die Entscheidung für eine dieser Therapiemöglichkeiten hängt von der Schwere der Erkrankung (Organ­beteiligung, Funktionseinschränkung) und der Geschwindigkeit ab, mit der die Erkran­kung fortschreitet. Im Falle einer notwendigen Dauerbehandlung, wie sie bei chronischen Autoimmunerkrankungen oftmals notwendig ist, werden verschiedene Therapien kombiniert.

Intravenöse Immunglobuline beeinflussen die Aktivität der Zellen schrittweise, stoppen sie aber nicht vollständig. Die Immunantwort auf fremde Erreger bleibt dadurch erhalten.
Bei akuten, schnell fortschreitenden oder schweren entzündungs­bedingten Autoimmun­erkrankungen werden Immunglobuline hochdosiert gegeben und führen dann meist zu einer klinischen Besserung innerhalb weniger Tage. Zu den Erkrankungen, bei denen Immun­globuline als Ersttherapie empfohlen werden, gehören die Immunthrombozytopenie (ITP, ERkrankung von Blutplättchen), das Guillain-Barré-Syndrom (GBS, Erkrankung des Nervensystems) und das Kawasaki-Syndrom (Gefäßerkrankung im Kindesalter).
Bei chronischen Autoimmunerkrankungen werden intravenöse Immunglobuline als Ergänzung zu immun­suppressiven Therapien (beispielsweise Kortikosteroide) gegeben. Sie unterstützen die Regenerierung zerstörter Gewebe, binden Entzündungsstoffe und sorgen für deren schnellere Vernich­tung. Darüber hinaus dienen sie der Aufrechterhaltung der Infektabwehr.